Predigt 06.9.26 23. Sonntag LJ A

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind.“

Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht haben manche schon die Melodie im Ohr: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind.“ Das singt sich gern in Gottesdiensten, in kirchlichen Veranstaltungen, es hat so was Beschwingendes, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, und über diesen Schwingungen klingt manchmal weg, welche Herausforderungen da im Text stecken.

 

Wo zwei oder drei: Der Glaube, dass in der kleinen Zahl Kraft liegt, der ist uns manchmal gar nicht so zugänglich. Pfarrer und Gemeindemitglieder jammern gerne, dass es so wenige sind. Ein Gottesdienst, wo zwei oder drei da sind, da braucht man als Pfarrer einen inneren Schritt, zu glauben, dass wir zwar wenige sind, aber dass das Leben Gottes mit seiner ganzen Kraft und seiner ganzen Fülle da ist und wirkt. Wir sind jetzt auch auf ganz Kaufering gesehen, wenige und doch dürfen wir in dem Vertrauen, miteinander Gottesdienst feiern, dass Gottes Leben unter uns ist, dass er lebendig in unserer Mitte ist, uns segnet und über uns hinaus auch wirkt.

Ich will erinnern, dass da nicht nur der Sonntag oder Gottesdienst gemeint ist. Wo zwei oder drei als Familie, als Paar miteinander im Glauben unterwegs sind, wo sich Menschen treffen, um miteinander zu beten, miteinander das Wort der Heiligen Schrift zu hören, diese kleinen Momente, wo Menschen im Glauben sich finden, da ist er mitten unter uns, da wirkt er und da geschieht etwas, über uns hinaus.

 

„Versammelt sind“: Wenn hundert Leute beim Aldi mit den Einkaufswagen durch die Reihen wandern, sind sie zwar alle im gleichen Raum, aber alles andere als versammelt. Das kann Gottesdienstgemeinden auch passieren, dass zwar alle im gleichen Raum sind, aber irgendwie jeder bei sich bleibt. Ich glaub, dass es immer neu diesen Schritt von jeder und jedem von uns braucht, wirklich auch sich hineinzugeben ins gemeinsame Beten und Feiern, in dieses Versammeltsein einzutreten und sich mit seinem Dasein wirklich einzubringen.

Ein Kollege von mir vertritt die schöne These, dass man Messe erst feiern darf, wenn die Hälfte aller Plätze besetzt ist. Weil eben Gottesdienst diese Erfahrung von Sammlung meint und stärken will. An der Stelle spüren wir hier, dass das Feiern im Pfarrsaal nicht das Allerschlechteste ist. Der Saal führt uns zusammen und hilft uns, gesammelt da zu sein. Um meinen Kollegen zu retten, wenn vier Stühle im Raum sind, genügen zwei Leute, die da sind. Die Idee ist, die Räume anzupassen, an die Wirklichkeit der Gemeinde.

 

In seinem Namen: Das ist auch noch mal eine Herausforderung, dass es mehr ist, als WIR kommen zusammen. Dass wir uns nicht nur aufeinander öffnen und füreinander, sondern dass wir auch wirklich eintreten in diese innere Offenheit auf den Herrn hin. Im Psalm hat es
geheißen: „Heute, wenn ihr so eine Stimme hört, verhärtet nicht euer Herz.“ Das Herz weich zu machen, damit er mich treffen kann, damit er mich segnet, damit er mich neu wandelt in ein Werkzeug seines Friedens. Wirklich sich auf ihn hin öffnen und da sein.

Manchmal feiern wir Gottesdienst, aber wir sollen GOTT feiern.

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, das klingt so schön, hat aber einen großen Ernst, einen großen Auftrag, in den wir hineingerufen sind. Amen.

Engelbert Birkle