Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein…
die einen neigen zum spontanen „Ja“, die anderen sind vorsichtig und sagen in der Regel erstmal „Nein“. Wahrscheinlich kann man die Menschheit in diese zwei Gruppen aufteilen. Jesus differenziert noch tiefer und sagt, es gibt die, die „Ja“ sagen und beim „Ja“ bleiben, und die, die „Ja“ sagen und dann doch nicht gehen. Es gibt die, die „Nein“ sagen und beim „Nein“ bleiben, und die, die „Nein“ sagen und sich doch auf den Weg machen. Vielfältig wird dann heut oft ein Ranking angesagt, dass man sortiert, was oben steht.
Wenn man in das Evangelium hineinhört, hat Jesus offensichtlich kein Problem mit denen, die Ja sagen und beim Ja bleiben und Nein sagen und auch beim Nein bleiben. In der Bergpredigt heißt es: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein, alles andere ist vom Bösen.“ Diese Klarheit, die ist offensichtlich auch im Blick Jesu bedeutsam, für unseren Weg auch gut und entscheidend.
Die Gruppe, die so laviert, die nimmt Jesus heute in den Blick. Die, die Ja sagen und dann doch nicht gehen, und die, die Nein sagen und dann doch aufbrechen. Ich vermute, da spricht er von mir und von Ihnen. Das kennen Sie, man hat Ja gesagt und hinterher ärgere ich mich und überlege, wie ich aus der Nummer doch noch rauskomme. Spontan sag ich: „Nö, mag ich nicht“, und hinterher merk ich, dass das eigentlich blöd war, und überleg, wie ich das irgendwie dann doch noch mal hinkriege und ins Spiel komme. Da wird jede und jeder wahrscheinlich ganz konkrete Szenen aus dem eigenen Leben erzählen können. Dieses unentschlossene Hin- und Her suchen und Unklare, was das Leben oft prägt. Für Jesus ist am Schluss entscheidend, ob es zum Tun kommt. Dieses Jasagen und sich dann irgendwie verabschieden, das sieht er in der religiösen Elite seiner Zeit. Das ist wohl immer die Versuchung von Eliten. Entscheidend ist nur, dass es zum „Tun“ kommt. Das kann er ablesen an den Zöllnern, Dirnen, die eigentlich diesem Nein zugeordnet sind, an denen er aber ganz konkret erlebt, wie die aus dem Nein aufbrechen, umkehren, eine andere Spur für ihr Leben suchen, sich von seinem Umkehren auch treffen lassen und ganz konkret Taten setzen. Ich hör, dass für uns in Erinnerung gebracht wird, dass diese Klarheit etwas Wichtiges für unseren Weg ist, und dass die Frage ist, komm ich immer wieder ins Tun, in das ich mich einbringe und innere uns äußere Taten setze, dass das Reich Gottes wächst und vorankommt.
Der heutige Sonntag verbindet sich auch mit dem Engagement der Caritas. Da sind viele von uns, die in der Nächstenliebe ganz konkret Taten setzen. Mit der Caritas verbindet sich auch die Institution. Da sind viele Menschen, Frauen und Männer, die ganz konkret, Tag für Tag da sind, um anderen in sozialen Nöten, in Lebensnöten beizustehen, um mit ihnen Schritte aus dem herauszusuchen. Oft werden im kirchlichen Kontext die mit dem „nur“ versehen, die machen ja nur Sozialarbeit. Wenn ich in das Evangelium hineinhöre, Jesus würde dieses „nur“ nicht formulieren. Der würde sagen, da sind Menschen, die Taten für das Reich Gottes setzen. Wir sind eingeladen, uns mit denen auch verbunden zu wissen.
Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein“, und schau, dass Taten aus deiner inneren Haltung geschehen.
Engelbert Birkle