Predigt 4.10.26 Erntedank

Erntedank mit Weisungen des Hl. Franziskus

Sie schauen auf die Erntegaben, werden erinnert an eigene Erntemomente und man wird von innen heraus dankbar. Wir alle leben in diesem Grundvertrauen, dass schon dafür gesorgt ist, dass in den Geschäften Nahrung da ist, und der Erntedanktag schafft so ein leises „Es ist gut so“ und ein Dankbarsein.

Dazu stellt sich in diesem Jahr für mich und ich vermute für manche, aber auch eine Sorge. Wir haben einen Sommer erlebt, der nicht nur schön heiß war, sondern der auch ins Bewusstsein gebracht hat, was globale Klimaerwärmung bedeutet, in welche Zukunft wir gehen und in welche Zukunft Generationen nach uns gehen.

Mit dem Erntedanktag verbindet sich auch ein Ruf zur Verantwortung.

Als sich unser letzter Papst seinen Namen gegeben hat, war das ein großes Aufhorchen. Zum ersten Mal nennt sich einer Franziskus. Mit diesem Namen hat Papst Franziskus schon ein Programm markiert. Man hat gemerkt, wie er mit dem Blick auf den heiligen Franziskus im Grunde die Welt erinnern wollte, was es in dieser Zeit braucht: Haltungen, die sich an Franz von Assisi orientieren.

Die große Verantwortung, die liegt wohl bei den Mächtigen, bei den Vereinten Nationen, dass die Entscheidungen treffen, die eine Zukunft der Menschheit öffnen, ermöglichen. Wir selber müssen das aber mittragen, indem wir so ein Fundament innerer Haltung dazu stellen. Da ist Franz von Assisi sicher eine prägende Gestalt, die an Wesentliches erinnert.

Der Sonnengesang besingt die Schöpfung als Geschwister, Schwester und Bruder. Wir Menschen der Neuzeit sind der Schöpfung sehr entfremdet. Oft geprägt von der Haltung, dass uns die Natur, die Schöpfung, gegenüber sei. Ich bewege mich in der Natur, sagen wir, das tun wir auch, aber wir sind(!) Natur. Wir nehmen am gleichen Leben teil wie alles andere auch. Jedes Leben in einem Tier ist nicht anders als das Leben in mir, und mag es noch so einfach sein. Es gibt einen Unterschied im Bewusstsein: Wir Menschen können für das Leben dankbar sein, können über das Leben nachdenken, aber das Leben selber ist identisch mit jedem Tier, Im Grunde aber auch mit jeder Pflanze. Wir sind Teil dieser großen Lebensbewegung, die auf der Erde möglich ist. Der Heilige Franz hat ohne wissenschaftliche Erkenntnisse dies wohl von innen heraus zutiefst gespürt. Es bleibt wichtig, dass wir uns von ihm daran erinnern lassen, in diese Haltung immer wieder zurückzukehren, dass wir Teil des Lebens sind, in diesem Lebensstrom sein dürfen, aber ihm nie gegenüberstehen. Papst Franziskus hat oft von der „universalen Geschwisterlichkeit“ gesprochen und darum geworben, dass das zur Haltung vieler Menschen wird.

Heute ist der Gedenktag des heiligen Franz und zu diesem Gedenktag gibt es ein kirchliches Gebet, das bei Franz von Assisi natürlich schon auch große Tradition hat. Ich finde es sehr interessant, dass das Wort und das Thema Schöpfung nicht vorkommen. Es heißt dort: „Gott, du Vater der Armen, du hast den heiligen Franz auserwählt, in vollkommener Armut und Demut Christus ähnlich zu werden.“ Von Schöpfung ist nicht die Rede, aber andere Haltungen kommen da in den Blick, die sich auch mit Franz von Assisi verbinden. „Vollkommene Armut“, das war die Leidenschaft dieses jungen Mannes in Assisi. Er hat sich wirklich bettelarm gemacht und ist es ein Leben lang auch geblieben. Auch Franziskaner wissen, dass das kein Modell ist, dem alle folgen. Das würde zur Katastrophe führen, wenn alle in vollkommener Armut leben. Aber es leuchtet auf, dass die Idee, dass Reichtum zu einem erfüllten Leben führt, dass die nicht stimmt. Dass das innere Glück und das Leben nicht von den Dingen und aus dem Reichtum kommen.

Was kann diese Armut für uns sein? Für mich ist das Wort „Genügsamkeit“ an der Stelle wichtig. Es gibt einen schönen Lied-Vers, da heißt es: „Einmal soll mir genügen!“   Wir kennen alle diese Erfahrung, dass wir etwas Schönes erleben, dass etwas Gutes sich in unser Leben bringt, und der Impuls ist sofort: Ich will das nochmal, nochmal erfahren. Ich will noch mehr, und oft gehen wir sofort diesem Impuls nach und versäumen überhaupt das erste Geschenk auszukosten: „Einmal soll mir genügen!“ Diese Haltung, zu fragen, ob das, was da ist und was ich gerade erlebe, nicht genügt. Das ist eine Spur, die diese Welt braucht: dass viele Menschen spüren und leben: „Es genügt! Ich nehme das, was da ist, dankbar an. Ich muss gar nicht verbittert verzichten, aber ich bin mit dem zufrieden, was da ist und was mir geschenkt ist.

Da nimmt sich auch das Wort „Demut“ noch dazu. Bei Franz von Assisi spürt man, wie er mit seiner Lebensgrenze auch versöhnt ist. Der spannende Teil des Sonnengesangs ist ja, dass er den Tod als Bruder anspricht. Er akzeptiert also, dass das Leben auch in der Lebenszeit begrenzt ist. Das ist der Ernstfall von: „Ich will nicht alles ausschöpfen.“ Diese Haltung meint Demut: versöhnt sein mit den Grenzen meines Lebens, mit dem, was mir möglich ist, was mir als Lebensraum zugesprochen ist, damit versöhnt zu sein und nicht immer diesem Drang nachzugeben, noch mal alles aufzubrechen, zu weiten. Manchmal versucht die Menschheit auf Teufel komm raus, ihre Grenzen auszubrechen.

Es braucht bei allen politischen und wirtschaftlichen Bemühungen, die sich mit der Frage der Schöpfung verbinden, auch Haltung. Für diese innere Haltung ist Franz von Assisi eine hervorragende Quelle:

Als Erinnerung, dass wir Teil des Lebens sind, in die Geschwisterlichkeit aufgenommen,

die Ermutigung, genügsam mit dem Leben und der Schöpfung umzugehen

mit der Bereitschaft, demütig in Frieden zu schließen mit den Grenzen, die zu meinem Leben gehören.

Engelbert Birkle