Herausragende Persönlichkeiten werden oft als Lichtgestalten bezeichnet.
Aus dem Pool der Politiker, der Sportler, der Künstler gibt es manche, die ganz hell strahlen und leuchten. Auch manche Heilige sind in diesem Kreis mitzusehen als Lichtgestalten. Das wird oft unterstrichen, wenn sie bildnerisch mit dem Heilgenschein dargestellt werden. Wir sind beeindruckt, irgendwas spricht an, macht diese Menschen herausragend interessant.
Es gibt allerdings einen feinen Unterschied, den man lernen und verstehen kann, wenn man in der Nacht an den Himmel schaut. Wenn es klar ist, sehnen wir dann viele Lichtpunkte. Wer sich für die astronomischen Dinge interessiert, weiß, man muss unterscheiden zwischen den Sternen, das sind die Lichtpunkte, die aus sich selbst leuchten, und den Planeten, die leuchten, weil sie von der Sonne angestrahlt werden. Inzwischen ist die Schar der angestrahlten Dinge über die Satelliten auch noch vermehrt. Ununterbrochen sieht man die Dinge auch am Himmel hin und her fahren.
Leuchtet jemand aus sich selbst oder strahlt er, weil er im Rampenlicht steht? Ich glaube, das sortiert die Lichtgestalten sehr. Menschen, die im Rampenlicht stehen, deren Licht erlöscht in dem Moment, wo dieses Licht weggezogen wird. Für manche ein schmerzlicher Prozess, kaum ist man aus seiner Option heraus, ist man vergessen und niemand spricht mehr von Lichtgestalten.
Interessant sind die Menschen, die von selbst, von innen her leuchten. Das ist auch unsere Berufung. „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie den Vater im Himmel preisen“, heißt es. Jesus schaut auf seine Jünger, auf uns Menschen und weiß, dass wir alle in uns ein Licht tragen. Das Licht des Lebens, das Licht der göttlichen Gegenwart. Das mag klein oder groß zum Licht für die anderen werden. Das mag durch uns hindurch in die Welt hineinstrahlen.
Lichtgestalten sind manche herausragend, weltbedeutend, auch in der Gemeinschaft der Christen. Allerheiligen erinnert an dieses kleine Licht, das jede und jeder in uns trägt und mit dem wir die Welt, die für uns erreichbar ist, beschenken dürfen, wo wir eingeladen sind, es vor den Menschen leuchten zu lassen.
In den Seligpreisungen höre ich immer, wie der Glanz dieser kleinen Lichter ausschaut. Die Armen vor Gott, Menschen, die mit sich versöhnt sind, die strahlen etwas aus. Wie gut tut das, wenn man so jemandem begegnet. Menschen, die den Weg der Trauer wirklich gehen und nicht in die Bitterkeit fallen, die haben oft Trost für die anderen. Wie hell wird es dort, wo jemand den Schmerz spürt, den Schmerz lebt und zulässt, dass der Schmerz heilt. Da leuchtet Heilung auf. Nicht nur für diesen Menschen, sondern auch für die, die mit ihm sind.
Was wäre die Welt ohne die Sanftmütigen und die, die ihren inneren Frieden anbieten, dass um sie herum Frieden und Versöhnung wächst? Jeder hat da sein Licht, seine Möglichkeit, seine Berufung.
Allerheiligen erinnert, lädt ein, Lichtgestalt zu sein. Nicht zu schauen, ob ich ein großes Stadion ausleuchten kann mit meinem Licht, aber das Licht, das in mir lebendig ist, leuchten zu lassen und in diese Welt hineinzuschicken.
„So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie den Vater im Himmel preisen“.
Amen.
Engelbert Birkle