Die Hauptkirche sind unsere Häuser und Wohnungen.
In Pfarreiengemeinschaften stellt sich ja die Frage, wo die Hauptkirche ist. Da werde ich Ihnen jetzt kein Bekenntnis geben, sondern unseren Blick in die biblische Welt lenken. Biblisch ist die Hauptkirche Ihr Zuhause. In den Briefen des Apostels Paulus kommt öfters die Formulierung vor: „Die sich in den Häusern bildende Kirche“. Am Anfang gabs keine großen Räume, sondern die Christen sind erwachsen aus dem, was in den Häusern geschehen ist.
Die Hauptkirche sind unsere Häuser und Wohnungen.
Wenn dort Glaube Gestalt annimmt, wenn der Glaube unser alltägliches Miteinander trägt, dann ist Kirche vital und dann füllen sich auch die Räume der großen Versammlungen. Den Brief, den Paulus an die Gemeinde in Kolossä schreibt, muss man hören als einen Impuls in so ein Haus hinein und in die Häuser, die er dort vorfindet. Es ist zu spüren, wie er die Menschen erinnert, einlädt, ihr Leben aus dem Vertrauen auf das Leben Christi zu gestalten. Dann bekommt der Alltag einen ganz eigenen Klang und Farbe. Ich wiederhole einfach nochmal die Wörter, die da gesetzt sind: Inniges Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld, ertragt einander, bekleidet euch mit Liebe. Wenn so das Leben in einer Wohnung, in einem Haus geprägt ist, dann leuchtet doch etwas von dem Leben Gottes, von seiner Kirche auf.
Zum Fest der Heiligen Familie werden wir erinnert, uns in diese Haltungen immer neu zurückrufen zu lassen.
Neben diesem „Wie gehen wir miteinander um?“ betont Paulus aber auch die Bedeutung der inneren Ausrichtung auf Gott. Das Wort Christi, heißt es, wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder in Dankbarkeit in eurem Herzen. Die Frage ist immer wichtig: Hat er eine Wohnung bei uns? Ein Zimmer, euine Ecke, wie viel Platz bekommt er? Ganz praktisch: Gibt es einen Weg, ein Ritual, wie der Glaube in Ihren Häusern, in Ihren Wohnungen Gestalt annimmt. Wie schaut es bei mir aus, wie schaut es bei uns aus? Dass eine Wohnung zur Kirche wird, geschieht doch dadurch, dass dort auch ausdrücklich von Gott die Rede ist und Gott Zeiten und einen Platz hat.
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder.
Wenn man den Impuls im Kolosserbrief im Ganzen liest, dann fällt auf, dass es einen stillen Kehrvers gibt. Da heißt es: „Wie der Herr euch vergeben hat“ oder „Alles, was ihr tut, geschehe im Namen Jesus des Herrn“. Dieses „im Herrn“ ist wie ein goldener Faden, der sich durchzieht. Uns ist dieses Wort vertraut: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter euch.“ Dass Gott, wo wir sind, mitten unter uns ist, das macht unsere Häuser, unsere Wohnungen, unser Miteinander in kleinen Gemeinschaften wirklich zu einem Ort von Kirche.
Dem zu vertrauen, sich dem zu öffnen und dem auch mit dem Leben zu antworten, das ist die Erinnerung, die ich aus diesem Stück des Kolosserbriefes für uns höre. Pfarreiengemeinschaften, Gemeinden brauchen Hauskirchen, starke kleine Familienzellen, Wohnungszellen, aus denen wird Kirche in Kraft immer neu entstehen. Amen.
Engelbert Birkle