Predigt 6.1.26

Durch die Fremden kommt der Reichtum der Völker zu uns.

Wenn Fremde ins Land kommen, muss man eine Position einnehmen: Sind die eine Chance oder eine Bedrohung? Das kennen Sie aus der alltäglichsten politischen Diskussion in unserem Land. Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, und wie reagieren wir darauf?

Der Prophet Jesaja hat eine Ahnung, dass mit den Fremden der Reichtum der Völker kommt Er vertraut darauf, dass Menschen, die uns fremd sind, etwas mitbringen, was uns selbst reich machen kann. Ich weiß auch, dass es überall solche und solche gibt und dass die Politik da große Auflagen hat. Aber an einer Stelle hat das auch mein Leben sehr geprägt, und weil es jetzt genau dreißig Jahre her ist und weil es auf dem Lechfeld war, möchte ich mit Ihnen das teilen, wie ein Fremder mir einen Reichtum eröffnet hat.

Am nördlichen Ortsrand von Lagerlechfeld war in den 90er Jahren ein großes Lager für die Asylbewerber, so ein Containerdorf. Ich war auf dem Lechfeld Kaplan und im Herbst 95, Anfang 96, vor dreißig Jahren, läutete einer dieser Asylbewerber bei uns an der Tür, aus Pakistan nach Deutschland geflohen, und sagte, er möchte getauft werden. Er war dann auch der erste Erwachsene, den ich in meinem Leben taufen durfte. Ich, junger Kaplan, fünf Jahre Theologiestudium, kirchliche Ausbildung, für mich war klar: Wenn ein Erwachsener zur Taufe kommt, dann entscheidet er sich für den Glauben an Gott und ich muss ihm irgendwie auch helfen, dass er das gut und richtig machen kann.

Und dann sitzt ein Moslem vor mir, für den Gott das Allerselbstverständlichste war. Das war für ihn keine Frage, ob es Gott gibt oder nicht. Das ist unsere europäische Sicht der Dinge. Hier in Europa gibt es die Tradition des Atheismus. Aber daheim in Pakistan, dass Allah groß ist, das war für den durch und durch normal, da musste man nicht drüber reden.

So habe ich von ihm gelernt, dass eben Christsein mehr ist, als an Gott zu glauben Seine Formulierung war: „Jesus is the Lord in my heart.“ Das hat dieser Moslem entdeckt und das war der Punkt, an dem er weitergehen wollte. Das hat ihn dahin geführt hat, um die Taufe zu bitten. Durch ihn habe auch verstanden, dass wir Christen an dieser Schwelle stehen: „Jesus is the Lord in my heart, Jesus ist der Herr meines Herzens“. Das hat mich sehr geprägt. Es ist ein Reichtum, den dieser Moslem mir eröffnet hat, und eine Spur, auf die er mich gestellt hat, die ich so auch nie mehr verloren habe.

Manchmal sind es die Fremden, die uns den Weg zu einem neuen Reichtum weisen, und es wäre dumm, gleich von Anfang an die Tür zuzuhalten.

Durch die Fremden kommt der Reichtum der Völker zu Euch. Amen.