Predigt 8.2.26 5. Sonntag LJ A

was das Licht nährt

Bei der Bergpredigt schaut Jesus die Menschen an, die um ihn sind, und sagt dieses ungeheure Wort: „Ihr seid das Licht der Welt!“ Und er schaut auf uns und sagt das auch: „Ihr seid das Licht der Welt!“ Er sieht, was wir oft nicht mehr spüren, manchmal gar nicht mehr glauben können: dass in jeder und jedem von uns das göttliche Licht immer präsent ist. In jedem Menschen leuchtet das Licht des Lebens. Jesus macht uns Mut, dieses Licht leuchten zu lassen, Er weiß, dass wir Strategien im Leben gelernt haben, das Licht zu verbergen. Das Bild vom Scheffel, der über den Leuchter gestülpt wird, ist da sehr eindringlich. Das Licht ist da, aber verborgen, und kann nicht mehr strahlen.

Nelson Mandela, Präsident in Südafrika, der erste schwarze Präsident dort, jahrelang im Gefängnis, hat bei seiner Antrittsrede das sehr genau formuliert und sagt: „Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind; unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: "Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, phantastisch sein darf?" Wir haben Angst vor der Macht, die in uns liegt, und machen uns manchmal klein, verbergen dieses Licht, verstellen es. Ich vermute, dass im Leben einfach Dinge geschehen, die uns hindern, das Licht strahlen zu lassen. Worte, die uns klein gemacht haben, Situationen, die uns verletzt haben, führen oft dazu, dass man diesem Schutzschild um sein eigenes Licht baut. Die Einladung ist, diesem Licht sich wieder zuzuwenden und dafür zu sorgen, dass es mehr das sein kann, was es immer ist. Das Licht in uns, das leuchten mag für die Welt, in der ich bin.

Das hat zwei Seiten: Zum einen ist es natürlich wichtig, diesen Scheffel zu bearbeiten. Was kann dem ein die Kraft nehmen? Was hilft, dass der Scheffel gehoben wird, dass es wieder mehr strahlen kann? Was macht all das aus, was mein Leben behindert, dass das Licht leuchtet?

Eine andere Seite ist, dass das Licht auch Nahrung braucht. Dass das Gotteslicht nicht aus unserer eigenen Energie befeuert wird, sondern immer im Grunde Gott durch uns leuchten mag. Dass er die eigentliche Lichtquelle in uns ist. Und drum kann dieses Licht immer dann mehr Kraft bekommen, wenn wir mit diesem Urlicht Gottes in Verbindung sind. Das ist die andere Einladung, die sich mit dem Weg auf Ostern hin verbindet

Ein Weg, zu dem ich uns miteinander einladen mag, steht unter dem Wort „Unterwegs nach Emmaus“. Mit diesem Titel haben die Pallottiner in Vallendar vor ein paar Jahren ein Material den Gemeinden angeboten, das ich in diesem Jahr gerne aufgreifen und mit Ihnen teilen mag. Emmaus wird den meisten von Ihnen vertraut sein. An Ostern wird uns diese Osterszene ja erwarten. Dann heißt es ausdrücklich: „Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns sprach?“ Da ist das schön formuliert, dass diese Jünger, die nach Emmaus gehen, auf dem Weg Erfahrungen machen, die dieses innere Brennen wieder entfachen. So ist „Unterwegs nach Emmaus“ eine gute Überschrift für die Einladung, dieses innere Licht neu zu entfachen.

An diesem Material ist hilfreich, dass es davon ausgeht, dass eine Gemeinde natürlich vielschichtig ist und dass Menschen sich mit unterschiedlicher Intensität auf den Glauben einlassen. Im Leben gibt es eben unterschiedliche Phasen, in denen mir mehr oder weniger der Glaube wichtig ist und die Möglichkeiten der einzelnen sind ja auch sehr unterschiedlich.

Was alle mitmachen können, ist, dass Sie weiter tun, was Sie heut auch tun: Gottesdienst feiern. Jeden Sonntag ist dieser geistliche Weg unterwegs nach Emmaus an den Sonntags-Evangelien orientiert. Ich werde versuchen aus den Evangelien heraus Aspekte ins Wort zu bringen, Ihnen anzubieten, die den Glauben, die Gottesverbindung, das innere Licht nähren.

 

Wer mehr mag, dem darf ich das Begleitheft empfehlen. Darin finden Sie für jeden Sonntag den entsprechenden Evangelientext zum Nachlesen. Ein Impuls zum Evangelium von Pater Hubert Lenz, der hinter diesem Heft steht, und das Wichtigste: eine Doppelseite, die einlädt zu einer persönlichen Gebetszeit. Der Glaube nährt sich sehr im persönlichen Gebet, in Zeiten der Stille, und das könnte wirklich ein Fastenvorsatz sein, einmal, zweimal in der Woche zehn, fünfzehn Minuten Gott ganz bewusst zu schenken. An einen Ort zu gehen, wo still ist, wo Sie Ihre Ruhe haben, vielleicht so einen Gebetstext zu lesen und nachzuspüren, was er mit Ihnen tut, wo Sie sich angesprochen fühlen, welchen Widerstand er aufruft, und sich damit ganz bewusst nochmal Gott hinzuhalten. Das nährt und das bringt uns in Verbindung mit diesem inneren Licht und sorgt dafür, dass dieses Leuchten kraftvoller wird.

Wer noch mehr mag, eine dritte Stufe, wäre, in den Austausch zu gehen. Eine Erfahrung ist, dass, wenn ich über meinen Glauben spreche und wenn ich meine Erfahrungen mit anderen teile, sich das eigene vermehrt. Ich erlebe im Aussprechen, wie das, was ich empfinde, wirklich trägt. Wir können Ihnen in der Pfarreiengemeinschaft für die Wochen der Fastenzeit vier Kleingruppen anbieten. Wer spürt, dass das dran wäre, kann sich in so einer Kleingruppe anmelden und diesen Weg auch mit einer kleinen Gruppe verbunden gehen. Es gibt ein kleines Infoblatt dazu, wo auch die Termine für die Kleingruppen stehen, wo nochmal ich versucht habe, zusammenzuschreiben, welche Elemente auf diesem Weg sind. Das Heft liegt auf, das Infoblatt liegt auf und ist auch auf der Homepage zu finden.

Mit dem Aschermittwoch startet dieser geistliche Vorbereitungsweg auf Ostern. Es wäre groß, wenn viele spüren: „Mein Herz brennt mehr, da ist ein neues Licht in mir entfacht und ich darf es meiner Welt, in der ich bin, schenken.“ Amen.

Engelbert Birkle