Ich bin jetzt „christ“.
Wir haben Ostern gefeiert. Das Feiern des Osterfestes ruft nach einer Antwort Die heißt kurz und knapp: Ich bin Christin, ich bin Christ! Wer sich für die Osterbotschaft entscheidet, wer sich dem anvertraut, tritt ein in den Weg der Christen, die anfangen zu sagen: Ich bin Christ. Spannende Frage, ob Sie das groß oder klein schreiben? In der Rechtschreibung haben wir gelernt, dass man es großschreibt. Man kann es auch kleinschreiben: ich bin christ.
Verstanden habe ich das bei einer anderen Gruppe in unserer Gesellschaft. Es gibt gerade eine Reihe von Menschen, die sagen: „Ich bin vegan.“ Da schreibt man es klein. Es sind Menschen, die sich für ein Leben entscheiden, das jede Form von Tiernutzung vermeidet, und die einen ganz eigenen Lebensstil entwickeln: Andere Dinge essen, sich nicht mehr mit allem, was gerade in ist, kleiden, manches tun und manches lassen, was zu diesem veganen Lebensgefühl dazu passt. So müssen wir lernen und neu entdecken, was dem entspricht, dass ich sage: Ich bin jetzt „christ: klein geschrieben“, ich bin christlich drauf.
Was macht diesen Stil aus?
In der Apostelgeschichte, die der Evangelist Lukas verfasst hat, wird im Ideal erinnert, was dieses Lebensgefühl prägt.
Ein entscheidender Teil ist Gemeinschaft. Die erste Gemeinde kommt zusammen, hält Gemeinschaft. Wer „christ“ ist, bringt sich in ein großes „Wir“ mit ein. Glauben kann man allein. Zum „christsein: klein geschrieben“ gehört dazu: sich treffen, das Leben miteinander teilen, einander im Blick haben und auch miteinander Gottesdienst feiern.
Sie teilten alles. Das hat viele Schichten. Zum einen merkt man, wenn man in die Urgemeinde hineinschaut, dass es untereinander ein Teilen gibt und ein Anteilnehmen. Von Anfang an war aber auch klar, wir teilen auch mit denen um uns herum, vor allen Dingen mit den Armen, zum Wohl aller. Die Gemeinde versteht sich nicht als ein Zirkel, der für sich abgeschlossen sorgt, dass es uns untereinander gut geht, sondern dass sie da ist, zum Wohl, zum Heil aller. Das bleibt immer ein wichtiger Teil, wenn wir christlich drauf sein wollen.
Täglich versammelt sich die Gemeinde zum Gebet im Tempel. Das Lob Gottes, im Gebet Gott zu suchen und Gott zu hören, gehört auch zum „christ“ sein.
Und es wird das Festhalten an der Lehre der Apostel betont. Der Geist der christlichen Botschaft, den die Apostel aus ihrer Erfahrung heraus verkünden, steckt den Rahmen ab. Es geht darum, die Heilige Schrift aufzuschlagen und die Botschaft der Apostel an sich heranzulassen und ins Leben zu übersetzen.
Aus Ostern heraus will ich mich wieder neu in dieses „christsein: klein geschrieben“ hineinführen lassen. Dankbar für das Wir, das uns geschenkt ist, den Mut, alles zu teilen, das Wohl aller, auch unsere ganze Gesellschaft im Blick zu haben, Gott zu loben - wer, wenn nicht wir - , und immer wieder Maß zu nehmen am Geist des Evangeliums, am Geist der Botschaft. Amen.
Engelbert Birkle