Hab Mut, steh auf!
Vom kommenden Mittwoch bis nächsten Sonntag ist in Würzburg der Katholikentag. Wenn eine Versammlung vorbereitet wird, zu der die Christen aus den katholischen Gemeinden Deutschlands gerufen sind, gibt es natürlich ein Motto: Der Katholikentag in Würzburg steht unter dem Ruf: „Hab Mut, steh auf!“ Da spürt man, wie im Hintergrund die Überlegung steht: Was braucht's in dieser Zeit? Die Organisatoren rufen zur Ermutigung in die katholischen Gemeinden unseres Landes hinein: „Hab Mut, steh auf!“
Das Motto kommt aus einer biblischen Szene: Der blinde Bartimäus schreit nach Jesus, Jesus ruft ihn und die anderen Menschen sagen zu Bartimäus: Hab Mut, er ruft dich, steh auf!
Wenn im Neuen Testament vom Aufstehen die Rede ist, geht es immer um Ostern. Die Evangelisten schreiben aus der Erfahrung des Auferstandenen. Bei jedem Aufstehen geht es immer auch um Auferstehung.
Im Grunde ist dieser Ruf „Hab Mut, steh auf!“ eine Übersetzung von Ostern und spricht in unseren österlichen Weg hinein. Wir haben Ostern gefeiert, und Ostern leben heißt: Hab Mut, steh auf, stelle dich den Dingen, die anstehen.
Das kann man klein und groß lesen und hören. Klein ist es, dieses ganz alltägliche Aufstehen, damit das Leben gelingt und möglich ist, damit Leben geschieht.
Heute ist Muttertag. Wir alle leben, weil Mama und auch Papa unzählige Male aufgestanden sind, uns getröstet haben, gesorgt haben, dass wir bekommen, was wir brauchen. Das ganze Miteinander des Lebens gelingt dadurch, dass Menschen füreinander aufstehen. Zur Hilfe eilen, etwas besorgen, das ganze soziale Miteinander ist ein einziger Aufstand, ein einziges Osterereignis im ganz Kleinen. Menschen stehen auf und Leben geschieht. So dürfen wir das hören, im ganz Kleinen.
Wenn Katholikentag ist, dann ist so ein Motto natürlich auch gesellschaftlich geprägt. Die Organisatoren des Katholikentages sehen diese Versammlung auch als einen Ort, wo geklärt wird, welchen Platz Christen in dieser Gesellschaft haben und einnehmen müssen. Wir alle spüren, wie das Aufstehen und Einstehen für die Dinge, die unseren Glauben und unsere Lebenshaltung ausmachen, bedeutsamer wird. Der große Strom einer christlich geprägten Gesellschaft verebbt. Deshalb wird es wichtiger, dass wir unseren Weg vertreten und aufstehen, dort, wo es um unsere Sicht der Dinge und um unsere Lebenshaltung geht.
Wir spüren, dass die Würde des Menschen, die Würde aller Menschen, zu einer großen Herausforderung wird, dass es klare gesellschaftliche Tendenzen gibt, die auseinanderdriften, die Würde mancher Menschen einfach für angreifbar halten, nach Nationen, nach Status sortieren. Das wird zum Auftrag, die Fahne hochzuhalten, dass jeder Mensch Gottes Ebenbild ist, Kind Gottes, und dass wir dafür einstehen.
Die Sorge um die Schöpfung, Papst Franziskus hat mit der Enzyklika „Laudato si“ in dieses Jahrhundert etwas wirklich Besonderes hineingestellt: die Erinnerung, dass Schöpfung und soziale Gerechtigkeit Geschwister sind, dass das zusammengehört. Christinnen und Christen sind gerufen, Hüterinnen und Hüter der Schöpfung zu sein, das bleibt Auftrag.
Und wir spüren, dass das Thema Frieden zur Herausforderung wird, wenn das Wort „Verteidigungsfähigkeit“ weggeschoben wird und „Kriegstüchtigkeit" an diese Stelle tritt. Dann ist mit der Sprache was passiert. Dass in einem Land das Leben verteidigt werden muss, das ist die christliche Grundhaltung. Dass Kriegstüchtigkeit hergestellt werden muss, ist etwas anderes. Den feinen Grat zu suchen, wo Verteidigung aufhört und wo Krieg beginnt, gilt es auszuloten. Es braucht Kräfte, die mit Klarheit einstehen und dafür sorgen, dass Frieden bewahrt wird, dass Frieden geschützt wird, dass Frieden ermöglicht wird und dass Krieg immer eine Niederlage für die Menschheit bleibt, wie Papst Johannes Paul II. das gesagt hat.
„Hab Mut, steh auf!“ Das gilt nicht nur für die, die in Würzburg zusammenkommen. Das scheint mir ein guter Ruf in alle Gemeinden hinein, das meint auch uns: „Hab Mut, steh auf!“
Engelbert Birkle