Als Gebetsgemeinschaft - für alle - mit dem je eigenen Leben
Die Evangelienperikope dieses Sonntags wird auch „hohepriesterliches Gebet“ genannt. An prominenter Stelle im Johannes-Evangelium, in der Abendmahlstunde, lädt der Evangelist ein, dem betenden Jesus zu begegnen. Für mich die Einladung, über unser Beten nachzudenken.
In der Apostelgeschichte wird erzählt, dass nach der Himmelfahrt Jesu sich eine betende Gemeinschaft bildet, die Apostel, Maria und Frauen heißt und weitere Brüder hat: eine Gemeinde, wie wir es hier jetzt auch sind. Wir kommen zusammen und werden daran erinnert, dass wir wirklich versuchen, eine Gebetsgemeinschaft zu sein. Es gibt ja die Seite „Der Gottesdienst ist mir wichtig“. Da finde ich meine Ruhe, da kann ich mit meinen Dingen da sein, das ist natürlich wichtig und ein wichtiger Teil. Genauso wichtig scheint mir, dass wir uns innerlich füreinander öffnen, wenn wir zusammenkommen, dass wir eine Gebetsgemeinschaft sind, gemeinsam die Gegenwart Gottes suchen, die innere Ausrichtung auf ihn. Manchmal sagen Leute ja: Beten kann ich allein im Wald. Ich denk mir: Ja, hoffentlich tust du es auch. Natürlich kann man allein beten, nicht nur im Wald. Meine Erfahrung ist, dass das gemeinsame Gebet und das persönliche Gebet sich gegenseitig brauchen. Meine Vermutung wäre, wenn ich keine Erfahrung von Gebetsgemeinschaft mehr habe, dass dann auch mein persönliches Beten aufhört. Ich glaube, dass es auch deswegen wichtig ist, dass wir zusammenkommen und uns als betende Menschen gegenseitig auch zeigen und stärken und dass wir uns als Gebetsgemeinschaft auf den Weg halten und auf dem Weg bleiben. Gebetsgemeinschaft sein.
Heute ist Pfarrfest in Epfenhausen. Sie sind dazu eingeladen. Wenn Sie dorthin fahren, werden Sie am Ortsschild einen wichtigen Impuls bekommen. Da steht nämlich: Für alle! Das gilt zunächst dem Pfarrfest, aber es ist auch eine wichtige Erinnerung, was Gemeinde ist und was unser Gebetsauftrag ist. Wir stehen immer, wenn wir miteinander in Gebetsgemeinschaft sind, für alle. Jetzt tun wir einen Dienst für alle Menschen, die hier sind. Manchmal denk ich mir, es sind immer 100 % Gottesdienstbesuch. Einige sind persönlich da und mit denen sind alle anderen dabei. Wir feiern am Sonntag Gottesdienst, wir beten miteinander, wir loben Gott für alle, wir bitten in den Anliegen der Nöte und der Bedürftigkeit aller. Was wäre das, wenn die anderen Menschen, die zum Gottesdienst keinen Zugang finden, das Gefühl hätten: Das sind die, die für uns beten. Ich glaube, das hat auch etwas mit unserer Einstellung zu tun. Mit dem Bewusstsein, wie wir sind. Jeder und jede ist mit seinem da, aber wir sind immer auch berufen, hier mitten in unserem Ort für alle Gott zu loben, für alle in allem einzustehen, was wir an Segen und Gnade von Gott erbitten. Das ist ein wichtiger Auftrag.
Wenn wir miteinander Gottesdienst und Messe feiern, dann sind Sie und auch ich manchmal konfrontiert mit sperrigen Gebeten, manchmal sagt man auch „mit immer der gleichen Leier“. Mein Zugang ist inzwischen der Kleiderständer. Der steht daheim. Da häng ich meine Jacke hin, alle heiligen Zeiten dann auch eine neue. Der Kleiderständer beschäftigt mich wenig. Entscheidend ist, was ich hinhänge. Das ist auch ein nötiger und für mich guter Zugang, mit diesen immer gleichen Texten und Gebeten umzugehen. Die sind eigentlich wie Kleiderständer, die stehen im Raum und werden erst interessant dadurch, wenn wir was einhängen. Wenn da das Wort „Friede“ fällt, dann kann die eine den Zwist mit dem Nachbarn einhängen, der andere wird an Putin denken und der Nächste an seinen Arbeitsplatz. Wenn an andere Menschen erinnert wird, ist es wichtig, dass jeder irgendwie mitarbeitet. Indem ich höre und immer mitlaufen lasse, was da aus meinem Leben an Erinnerungen und Assoziationen aufsteigt und innerlich verbinde. Diese Gebete sind im Grunde nur eine Leitschnur, damit jede und jeder aktiv im Grunde das Gebet mit seiner Sicht, seinen Erfahrungen ergänzt.
Dann bekommt manches, was spröde wirkt und spröde ist, wirklich Fleisch, Kraft und sicher auch Segen.
Das Gebet ist ein wichtiger Teil des Weges, den wir als Glaubende miteinander gehen, die Einladung, Gebetsgemeinschaft immer neu zu werden und für alle einzustehen. Das ist vielleicht oft wichtiger, als wir es ahnen. Amen.
Engelbert Birkle